Rösrath - Keine echte Kuh bei der Eröffnung der Ausstellung „Kunst im Kuhstall“ im Hofferhof, darauf wollte der Bauer Kalli Müllenbach sich nicht einlassen. Also keine muhende Kuh inmitten der Kunst in dem Ziegelbau der ehemaligen An- und Verkaufsgenossenschaft.
Ein lebendiges Tierchen hatte jedoch schon ein paar Tage vor dem Aufbau der Kunst mitgewirkt: Im Untergeschoss, wo eigentlich Peter Räderscheidts pittoreske Objekte in einem verstaubten Holzregal stehen sollten, hatte Bauers Katze spontan ihre Duftmarken hinterlassen - also keine Kunst an diesem Ort. Das deutliche Bekenntnis einer Samtpfötigen.
Nach Kuhstall roch es bei der Vernissage aber dennoch ziemlich kräftig: Mary Bauermeister hatte eine Installation mit Stroh, Heu und einem frischen Kuhfladen aufgebaut, mittendrin ein Paar rosa Damenstiefel und drum herum Prismen, weiße Malstifte und ein Rechen.
Die Begrüßung von Bürgermeister Marcus Mombauer, zu dieser 29. Ausstellung Rösrather Künstler, fand für die fast 100 Gäste im Freien statt, erst danach konnten sich die Kunstfreunde ganz dem Duft- und Seherlebnis in Sachen Kunst widmen.
Unter mehr als 100 Werken hat die Jury über 30 ausgesucht, die es nun überall an den unverputzten Wänden und unterm Dachgebälk zu entdecken gibt - sehr wirkungsvoll arrangiert von Detlev Weigand. Einer von Räderscheidts Objektkästen, „Mein Garten“, steht auf einer alten Kartoffelwaage, daneben verstaubte Stiefel. Wo fängt die Kunst an? Die Übergänge scheinen, fließend zu sein. An der Tür eines bruchreifen Schrankes hängen die kleinen Landschafts-Aquarelle von Bernd Heinermann, in den Dachsparren Rolf Bellartz' Fotografie vom „Schafskopf im Dreieck“, Jürgen Hebestreits reduzierte Schwarz-Weiß-Studien von verschneiten Dorf- und Landansichten.
Wie Bellartz beziehen sich einige Künstler direkt auf die Situation der Landwirte, so auch Jutta Fritz mit ihrer Schach-Installation „Bauernopfer“ - die schwarz-weißen Felder ausgefüllt mit Fotografien von Kühen, Feldern und Themen vom Bauernhof. Da wünscht man sich, dass der Bauer irgendwann den König schlägt. Auch Franz Fuchs' Werke wie das Dada-Objekt mit der Kuh zwischen den Mühlen der Technik und „ein Orden für die Bäuerin“ demonstrieren die intensive Auseinandersetzung mit dem gestellten Thema. Gar nicht museal, sondern in ihrem ureigenen Umfeld wirken die Werke in dieser Umgebung: Die Kampfhahn- und Wahner Heide-Studien von Anne Klußmann, Detlev Weigands „Belle de Jour - Remise“-Assemblage, das Objekt „Käfig-Haltung“ von Andreas Schmidt.
„Die Ausstellung hat eine irre Qualität“, bestätigte Mary Bauermeister den Machern nach einem ersten Rundgang in Rösrath. Da hatte man sich längst an den duftenden Kuhfladen gewöhnt.